Morgestraich vorwärts Marsch!

Auf diesen markigen Befehl hin geht morgens um vier Uhr in der ganzen Stadt Basel das Licht aus und es setzt sich ein wuselnder, leuchtender und gleichzeitig äußerst lautstarker Lindwurm in Bewegung. Und wir samt Fotoausrüstung mittendrin, schon etwas müde aber fasziniert von dem bunten Treiben in der nächtlichen Stadt.

# 14-8648Wir hatten uns unweit des Marktplatzes in der Gerbergasse platziert und eine halbe Stunde vor Beginn ohne größere Probleme noch einen Platz direkt an der Straße bekommen, was bei dem am Morgenstraich üblichen Gedränge nicht unbedingt zu erwarten gewesen wäre. So konnten wir dann also mit einigen Ellebogen im Kreuz aber immer noch guter Dinge ans Werk gehen und uns den optischen Aspekten des nächtlichen Pfeifkonzerts widmen.

# 14-8714Im Gegensatz zu den anderen Fasnachtstagen wird nämlich am Morgenstraich ausschließlich trommelnd und auf der Piccoloflöte pfeifend durch die Stadt marschiert. Weder sind andere Instrumente erlaubt, noch wird Konfetti, das in Basel als Räppli bezeichnet wird, geworfen. Diese Dinge sind den folgenden Tagen mit den Umzügen und den großen Guggekonzerten vorbehalten und würden dem mystischen, sehr mittelalterlich anmutenden Aufzug beim Morgenstraich wohl auch einen guten Teil seines Charmes nehmen.

Hier mal videomäßig ein kleiner Einblick ins nächtliche Geschehen:

 

# 14-8729Fototechnisch ist der Basler Morgenstraich übrigens eine prima Übung für den Umgang mit „available light“, also mit dem Licht auszukommen, welches dort wo man gerade ist zur Verfügung steht. An sich ist das Fotografieren mit Blitz nämlich nicht gerne gesehen, da die Stimmung hierdurch wohl doch etwas gestört würde und die aktiven Teilnehmer durch die kleinen Augenöffnungen der Larven ziemlich geblendet werden können. Insofern hatten wir uns auf einen Fototag ohne Blitz eingestellt, wobei dann allerdings so viele Fotografen das ungeschriebene Gesetz missachteten, dass wir hier und da auch eine Ausnahme machten, aber insgesamt trotzdem versuchten, den Blitz weitestgehend zu vermeiden oder nur mit reduzierter Leistung einzusetzen. Häufig gab es dann solch ein Blitzlichtgewitter, dass wir dieses sogar für unsere Zwecke verwenden konnten, ohne selber beleuchten zu müssen, und hatten, fast, ein reines Gewissen. „Available light“ eben ;-).

# 14-8677Nachdem also die gesamte Innenstadt komplett voll mit Menschen war, konnten wir uns zwar kaum mehr nach hinten bewegen, was allerdings kein Problem war, da vor uns ja stetig der Zug der Klicken mit Ihren teilweise über zwei Meter hohen Laternen vorbeizog. Es galt lediglich den Platz in der ersten Reihe zu verteidigen. So kamen wir zu einer ganzen Reihe gut verwendbarer Aufnahmen und durch etwas kreatives Mitziehen und Raus- und Reinzoomen auch zu diversen außergewöhnlichen Bildern, die wohl nur hier so machbar gewesen sind. Nach einigen stimmungsvollen aber auch arbeitsintensiven Stunden machten wir uns dann im Morgengrauen ziemlich geschlaucht auf den Weg in Richtung Bett um mal so richtig auszuschlafen und für die kommenden Aktivitäten gewappnet zu sein.

# 14-9018Na und dann ging es am Montagnachmittag weiter mit dem ersten großen Umzug, hier Cortège genannt, was auch nichts anderes als Umzug heißt, nur halt auf Französisch. Jetzt wurde es wirklich bunt. Bei den Cortèges sind nun auch die Guggemusiken und die Waggisklicken mit Ihren großen Wagen mit von der Partie, was einen unbeschreiblich schönen Lärm und einen immer wieder einsetzenden Konfettiregen zur Folge hatte. Bei bestem Wetter platzierten wir uns mitten auf der historischen Mittleren Rheinbrücke und fotografierten was das Zeug hielt.

# 14-8839Die oben als Lärm beschriebene Guggemusik ist natürlich kein einfacher Krach sondern eine Art Marschmusik, die mit Südamerikanisch anmutenden Rhytmen unterlegt wird, wobei häufig auch Themen aus der Pop- oder Rockmusik kreativ verwurstet werden. Wir fanden den Sound jedenfalls total fetzig und cool. Am Dienstag gab es dann noch einen obendrauf, indem an drei verschiedenen Plätzen der Stadt Bühnen aufgebaut waren auf denen die zahlreichen Guggemusiken zeigten was sie tatsächlich so drauf haben und spielten als ginge es um ihr Leben. Ein bizarrer Spaß den man einfach mal miterlebt haben muss.

# 14-9092Abends sind wir dann auf den Münsterplatz marschiert auf dem die riesigen Laternen der einzelnen Klicken ausgestellt waren. Wahre Kunstwerke, die von den Klicken jedes Jahr aufs Neue umgestaltet werden und auf denen zu jeweils aktuellen politischen Begebenheiten mit Sprüchen im Basler Dialekt satirisch Stellung bezogen wird. Und schon wieder ging es fotografisch um „available light“, das war auf diesem Trip ein echter Dauerbrenner. Dank dutzender Laternen waren hier sowohl stimmungsvolle als auch abstrakte Aufnahmen problemlos möglich. Na und dann lernten wir zum Tagesabschluss noch ein mir erstaunlicher Weise unbekanntes Getränk kennen, das sich Kaffee-Lutz nennt und eine Art extrem dünnen Kaffe der wie Abwaschwasser aussieht und mit einem Zwetschgenschnaps verfeinert wird, kennen. Wir würden den Geschmack als „es geht so“ bezeichnen. Mir persönlich ist am Abend ein Glühwein lieber aber gewärmt hat er immerhin. Prost!

# 14-9497Am Mittwoch hatten wir dann noch eine Menge Spaß mit der brandneuen Canon Powershot G1X beim zweiten Cortège, schossen hunderte von Bildern, fingen die ein oder andere von den Wagen geworfene Mandarine und genossen das bunte Treiben in vollen Zügen. Das Wetter strahlte mit den Waggis um die Wette und nach dem großen Umzug schlossen wir uns, wie hier in Basel üblich, einfach mal der einen Guggemusik, mal einer anderen Pfeiffergruppe an und zogen beim sogenannten „Gässle“ fotografierend und mit unserer Ausbeute zufrieden durch die Gassen der pittoresken Altstadt bis dann spätabends die Basler Fasnacht auch für uns zu Ende ging und ich muss zugeben, ein bisschen stolz auf meine Geburtsstadt war ich schon.

Aber noch ist unser Trip nicht zu Ende, das Brienzer Rothorn wartet…

Hallo, mein Name ist Christian - Projektmanager und Autor, ich plane und betreue unsere Auftrags- und Kundenprojekte und verfasse, in Zusammenarbeit mit Kyra, als Autor die meisten Texte und Beiträge rund um unsere Praxisbücher zur Fotografie und Bildbearbeitung.

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