Von Hexen und vom Schiibeschlaa

Fasnachtsumzug, Fasnachtsfeuer und traditionelles Scheibenschlagen in Weiler am Rhein

Fasnachtsplakette Weil am Rhein (# 15-0042)

So, nach 8-stündiger Fahrt und einem leckeren Südbadischen Nachtmahl ging es am Sonntag, den 26. Februar los mit unserem fotografischen Fasnachtsprojekt. Seit über 20 Jahren war ich nicht mehr bei der Fasnacht meiner Heimatstadt Weil am Rhein dabei und dieses Jahr sollte es also zum Zwecke der Fotografie wieder einmal soweit sein.

# 14-2996Über das Wetter brauchten wir uns schon mal keine Gedanken zu machen, über Südbaden schien die Sonne und die Temperaturen waren weitestgehend angenehm. Ich erinnere mich noch gut, dass es früher zuerst einmal galt eine Fastnachtsplakette zu kaufen, ohne die man beim Umzug weder wohlgelitten noch halbwegs sicher vor den Konfettiangriffen der Hexen, Teufel und sonstigen finsteren Gesellen ist. Na und da wir ja vor haben, eine Menge netter Bilder zu machen ohne Schaden zu nehmen, haben wir uns dann flugs jeder eine Plakette ans Revers gesteckt und los ging’s. Als Ausrüstung hatten wir zwei DSLRs und Objektive von 18 bis 200mm dabei, um sowohl für Übersichts- als auch für Nahaufnahmen bestens gewappnet zu sein.

# 14-8370Zuallererst war es notwendig, einen fürs Fotografieren ordentlichen Standort auszukundschaften. Für mich kam eigentlich nur der alte Dorfkern in Frage, da der größere Teil der Strecke durch mehr oder weniger belanglose Nachkriegsbauten führte und somit nicht gerade als stimmungsvoller Hintergrund für die mittelalterlich anmutenden Hästräger (Häs=Kostüm) in Frage kam. Außerdem ist es bei derartigen Anlässen von Vorteil an einer Kurve zu stehen, um nicht für jede Frontalansicht des Zuges auf die Straße hüpfen zu müssen.

# 14-7956Nachdem also der bestmögliche Standort gefunden und besetzt war (einzige Kurve und Fachwerkhaus plus historische Stadtkirche im Hintergrund), konnte es losgehen. Die Musik legte mit Getöse los und gleich drauf kam die erste Fasnachtsklicke um die Ecke gebogen; wunderbar bizarre Holzmasken, die sich zu fotografieren lohnen, zumal bei blauem Himmel und guter Stimmung. Fast drei Stunden lang schlängelte sich dann der Narrenlindwurm an uns vorbei und bot jede Menge eindrückliche Motive, so dass wir am Ende mehr als tausend Aufnahmen auf unsere Speicherkarten gebannt hatten. Also, bei solchen Anlässen immer daran denken, genügen Speicherkapazität dabei zu haben.

# 14-8039Von Anfang an fiel uns auf, dass, sobald wir eine Hexe, einen Berggeist oder eine andere Fabelgestalt mit der Kamera direkt anpeilten, diese gerne bereit war, sich fürs Bild besonders in Szene zu setzen. Diese Art der Interaktion funktionierte dann auch den ganzen Umzug lang hervorragend und brachte uns eine Menge toller Aufnahmen ein. Es zeigt sich auch hier wieder, dass die meisten Personen durchaus bereit sind, sich ablichten zu lassen bzw. das sogar gerne tun, solange man mit positiver Einstellung und einem Lächeln auf sie zugeht, was erst recht für vermummte Narren gilt, brauchen sich diese doch keine Sorgen zu machen, auf den ersten Blick erkannt zu werden.

# 14-8116Schade war nur, dass manche der Narren ihre Posen so nah vor der Linse machten, dass vor allem mit der 70-200mm-Telelinse oftmals die Naheinstellungsgrenze überschritten wurde und schon beim Aufnehmen klar war, dass das so nichts wird. In diesem Fall haben wir halt einfach so getan als ob alles klar geht und trotzdem ein Foto geschossen um die Posierenden nicht zu enttäuschen.

# 14-8186Wie mit den gezeigten Aufnahmen eindrucksvoll belegt, haben wir mal wieder keine Unannehmlichkeit gescheut, um an tolle Bilder für unsere Bücher zu gelangen und sind hin und wieder und trotz Plakette den wilden Gestalten mit ihren Händen voll Konfetti zum Opfer gefallen. Glücklicherweise hat es Kyra deutlich öfter getroffen als mich ;-), woran dass wohl bloß lag? Übrigens, der ganze Konfettiregen hatte den Kameras nichts ausgemacht. Lediglich beim Objektivwechsel haben wir darauf geachtet, dass ja kein Papierfitzelchen oder sonst etwas Störendes ins Kameragehäuse gelangt.

Nach drei Stunden Durchfotografieren waren wir dann auch ganz schön geschlaucht und froh bei Muttern einen Kaffee mit Fasnachtschuechli serviert zu bekommen. Denn gegen Abend ging es dann schon zum zweiten Highlight unseres Trips, dem Fasnachtsfeuer.

# 14-8521Nun werden in dieser Gegend am Sonntag nach Aschermittwoch in einer ganzen Reihe von Ortschaften Feuer entzündet, aber unsere Wahl war nicht weiter schwer, hatte ich doch schon als Jugendlicher beim Aufschichten des Feuers auf dem Tüllinger Berg mitgeschuftet. Da dieses auch besonders pittoresk auf dem Hügel zwischen Weil und Lörrach abgebrannt wird, war klar, dass wir die Alemannische Fasnacht an diesem Feuer mit verbrennen werden. Nun sind weder Kyra noch ich Verfechter mittelalterlicher Hexenverbrennungsprozesse oder ähnlicher frevlerischer Schandtaten, aber eine Strohpuppe kann man ja mal in Flammen aufgehen lassen, soviel Tradition muss sein.

# 14-8534# 14-8110Außerdem, wo Feuer ist muss es auch interessante Fotomotive geben und da sind wir natürlich sofort zur Stelle. Wie auf den Bildern zu sehen, lagen wir richtig und sowohl die Glut des riesigen Reisighaufens als auch die Langzeitbelichtungen der ins Tal geschlagenen glühenden Scheiben über der Stadt Basel führten zu recht interessanten Aufnahmen. Und nachdem uns einige nette Scheibenschläger dazu eingeladen hatten, beförderten auch wir ein paar der angesengten Holzquadrate über die Holzschanze ins Tal und siehe da, es gelang gar nicht mal so schlecht, wenn natürlich auch nicht so Eindrucksvoll wie bei den Profis.

# 14-7987Frierend, nach Rauch stinkend und mit der Fotoausbeute des Tages im Gepäck, machten wir uns dann spätabends auf den Weg nach Hause, um uns wenigstens zwei Stunden Schlaf zu genehmigen bevor der Morgenstraich in Basel unsere volle Aufmerksamkeit (und wie wir noch sehen werden, auch Kondition) fordern wird.

 

Hallo, mein Name ist Christian - Projektmanager und Autor, ich plane und betreue unsere Auftrags- und Kundenprojekte und verfasse, in Zusammenarbeit mit Kyra, als Autor die meisten Texte und Beiträge rund um unsere Praxisbücher zur Fotografie und Bildbearbeitung.

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