Expedition zu den Berliner Moorfröschen

Moorfrosch (# 17-5287)
Mann sind die blau

Was ist blau, ziemlich laut und sitzt im Wasser? Nun, da könnte man jetzt verschiedentliche Antworten geben, die hier besser nicht weitergehend erörtert werden sollen. Es ist weder der kleine blaue Elefant, noch der blaue Klaus – kennt den eigentlich noch jemand? – und ein Naturfotograf nach dem Genuss mehrerer Kaltgetränke am See ist es auch nicht.

Nein, der Moorfrosch (Rana arvalis) ist`s und davon auch nur das Männchen, welches in der Paarungszeit hormonell bedingt, äußerlich von unauffällig dunkelbraun auf quietschblau umschwenkt.

Moorfrösche (# 17-5059)Was wir bisher über dieses Phänomen wussten war, dass bei den Moorfröschen die blaue Phase – klingt ein Bisschen wie bei Picasso – nur sehr kurz auftritt, also lediglich einige wenige Tage im Jahr. Normalerweise findet das Paarungsspektakel in der zweiten Märzhälfte statt, aber da lag bei uns hier in Berlin noch Schnee und bei dem Wetter traut sich dann wohl doch eher kein Lurch ans Tageslicht.

Als dann aber Ende letzter Woche endlich auch hier die wärmenden Strahlen der Frühlingssonne auf Mensch und Natur schienen, waren wir uns sicher, dass es jetzt losgehen würde mit der Froschpaarungszeit. Allerdings hatten wir Moorfrösche bisher weder beobachtet noch fotografiert, sodass unsere Felderfahrung gegen Null tendierte. Insofern galt es zuerst einmal, einen geeigneten Standort zu finden. Immerhin sind die Tiere in einigen Gebieten Deutschlands ziemlich bedroht. Das ist aber hier im Nordosten glücklicherweise noch nicht ganz so dramatisch, so dass es hier auch noch einige Gewässer gibt, an denen sich ein verantwortungsvoller Naturfotograf mit Faible für blaue Froschlurche so richtig austoben kann.

Moorfrosch (# 17-5215)Zumindest hatten wir das von einigen Kollegen so gehört. Wie immer war vor einem solchen Projekt eine ausführliche Internetrecherche angesagt, bevor wir dann mit der ganzen Fotoausrüstung losgetigert sind. Unsere Wahl fiel auf einen Tümpel im Nordosten Berlins, in dem in den letzten Jahren immer wieder Moorfrösche gesichtet worden waren. Um ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet handelt es sich auch nicht. Ein nicht ganz unwichtiger Aspekt, da dort ohne behördliche Genehmigung ja nicht von den Wegen abgewichen werden darf, was fotografisch häufig ein sehr einschränkender Umstand ist.

Sich ein neues Biotop mit neuer Tierwelt zu erschließen, ist ja immer eine besonders spannende Angelegenheit, besonders für einen gelernten Biologen. Ich muss zugeben, eine Tierart das erste Mal zu sichten ist für mich ein wahrhaft erhebender Moment, vor allem wenn es sich um eine eher seltene Spezies handelt. Ob Leopard oder Frosch, die Größe der aufzuspürenden Wildtiere spielt da dann eher eine untergeordnete Rolle.

Moorfrosch (# 17-5692)Waren die Frösche also dort, wo wir sie vermuteten oder waren wir umsonst eine halbe Stunde um Berlin herum gegurkt? Das war hier die Frage.

Nachdem wir also das Auto abgestellt hatten und auf den Tümpel zuliefen, hat es mich dann buchstäblich fast aus den Stiefeln gehauen. Von wegen aufwändige Suche, dafür gab es nun wirklich keine Notwendigkeit. Mein Blick wurde augenblicklich gefangengenommen von Unmengen an chagallblauen Tupfen im Wasser. Die gesamte Uferzone des eher unscheinbaren Tümpels war übersät mit hunderten, wenn nicht sogar tausenden dieser wunderbar aussehenden Amphibien – einer dicht neben dem anderen.

Zudem kam man ganz leicht bis auf Makroentfernung an die Tiere heran, ohne dass sie Anzeichen von Stress gezeigt hätten – im Sinne des Artenschutzgedankens ein sehr gutes Zeichen. Im Gegenteil, bei ruhigem Verhalten unsererseits bewegten sich die Tiere sogar auf einen zu, einer wäre fast in die Sonnenblende des Makroobjektivs hinein gehüpft und einer saß erst auf der Auslösehand und dann auf dem Makroobjektiv, um anschließend wieder gemütlich ins Wasser zu gleiten. Da kamen wir dann, mit und ohne Makroobjektiv, voll auf unsere Kosten.

Moorfrosch-Paarung (# 17-5458)Zur Verwendung kamen übrigens ein 70-200mm–Zoom und ein 100mm–Makroobjektiv. Zwischen Telezoomobjektiv und Kamera hatten wir einen 36mm–Zwischenring gesteckt, um die Naheinstellgrenze zu verringern und die Frösche so größer abbilden zu können.

Da wir in der buchstäblichen Froschperspektive gearbeitet haben, kamen Live View mit und ohne manuellen Fokus und je nach Kamera das Schwenkdisplay zum Einsatz (unter anderem hatten wir die Canon EOS 700D und 100D dabei). Hier erwies sich der Touch-Auslöser als extrem praktisch. Ein Fingertipp auf das Froschauge und schon wurde scharfgestellt und ausgelöst.

Solltet ihr auch Lust Verspüren, euch mit Lurchen am Teichufer zu beschäftigen, dann nehmt auf alle Fälle eine wasserdichte Hose und Gummistiefel mit, mindestens aber eine wasserundurchlässige Unterlage zum darauf liegen, denn Froschaufnahmen sehen am besten aus, wenn man den kleinen Gesellen auf Augenhöhe begegnet und die ist bekanntlich recht bodennah.

Fazit: Es war ein wunderbarer Tag mit bestem Wetter und wir haben am Ende kaputt – ständiges Knien und Liegen im Uferschlamm macht auf die Dauer doch ganz schön Müde – aber glücklich mit mehreren vollen Speicherkarten den Heimweg angetreten. Zeit und Ort waren jedenfalls genau richtig gewählt.

 

Hallo, mein Name ist Christian - Projektmanager und Autor, ich plane und betreue unsere Auftrags- und Kundenprojekte und verfasse, in Zusammenarbeit mit Kyra, als Autor die meisten Texte und Beiträge rund um unsere Praxisbücher zur Fotografie und Bildbearbeitung.

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