Rote Röhrenspinne (Eresus kollari)

Roter Dauerläufer im Sand

Rote Röhrenspinne (Eresus kollari)Letztlich haben wir uns einenTag Zeit genommen, um mit der Kamera raus in die Natur zu gehen und einfach mal sehen, was da so auf uns zu kommt. Gerade im makrofotografischen Bereich ist das eine prima Methode, spannende Motive zu finden. Und je öfter wir unterwegs sind, desto größer ist logischer Weise die Wahrscheinlichkeit, auf etwas Interessantes zu stoßen.

Dieses Mal ging es in die Schönower Heide nordöstlich von Berlin, ein Naturschutzgebiet, das sich neben Magerrasen- und Binnendünenflächen vor allem durch seine offene Heidelandschaft auszeichnet. Und da die Besenheide noch am blühen war wollten wir mal sehen, ob nicht auch noch ein paar schöne Landschaftsaufnahmen möglich sind.

Rote Röhrenspinne (Eresus kollari) frontalDoch wie es so geht, kaum sind wir aus dem Auto raus und machen uns auf den Weg, bemerke ich etwas kleines Rotes, das vor mir recht geschwind über den sandigen Weg krabbelt. Mein erster Gedanke war, schwarz-rot, klar Feuerwanze, die findet man ja so ziemlich überall. Dann habe ich routinemäßig trotzdem noch einmal einen genaueren Blick auf das Krabbeltier geworfen und schon brach heillose Hektik bei den beiden Makrofotografen aus.

Rote Röhrenspinne (Eresus kollari) im LaufDenn was da so zielstrebig vor sich hin krabbelte, war nichts anderes als ein Männchen der Roten Röhrenspinne und die stand, was Makrofotografie angeht, ganz weit oben bei uns auf der „haben wollen“-Liste. Eresus kollari, wie die achtbeinige Schönheit mit wissenschaftlichem Namen heißt, ist in Deutschland selten anzutreffen und in der Roten Liste der geschützten Arten als stark gefährdet eingestuft. Interessant ist vor allem der ausgeprägte Geschlechtsdimorphismus, einfacher ausgedrückt: Männchen und Weibchen unterscheiden sich optisch grundlegend.

Rote Röhrenspinne (Eresus kollari) Drohgebärde Da die Weibchen sich hauptsächlich in und um ihre Röhre aufhalten, sind sie nicht so gefährdet wie die zur Paarungszeit herumwandernden Männchen und besitzen daher keinen besonderen Schutzmechanismus. Letztere hingegen haben sich im Laufe der Evolution den Marienkäfertrick angeeignet (daher auch der englische Name „ladybird spider„). Betrachtet man sich den Hinterleib eines Röhrenspinnenmännchens, so sieht er einem Marienkäfer doch recht ähnlich. Da nun aber Marienkäfer außerordentlich widerlich schmecken, lassen Vögel lieber den Schnabel von ihnen –und somit eben auch von der Spinne. Genial, oder?

Rote Röhrenspinne (Eresus kollari) von obenJedenfalls haben wir den glücklichen Zufall ausführlich genutzt und das achtbeinige Model in verschiedenen Posen abgelichtet, bevor es wieder seiner Wege zog. Dabei stellte sich als größte Herausforderung dar, dass der Spinnerich fast ununterbrochen am Laufen war wie ein Duracell-Häschen und wir deshalb immer nur kurze Momente hatten, um auch mal ein Bild des unbeweglichen Tieres zu machen. Schließlich haben wir aus der Not eine Tugend gemacht und uns in Mitziehern versucht, was in dem Maßstab und bei den sich ständig in Bewegung befindlichen Beinen nicht ganz so einfach war, aber schließlich auch zu ein paar vorzeigbaren Bildern führte. Um eine ausreichend starke aber gleichmäßige Ausleuchtung zu bekommen, haben wir einen Systemblitz mit Diffusor (LumiQuest Softbox III) verwendet und, um möglichst flexibel bei den Einstellungen zu sein, im manuellen Modus fotografiert. Der moderne Autofokus unserer Kamera war der krabbelnden Herausforderung so gut gewachsen, so dass wir auf manuelles Scharfstellen dieses Mal verzichten konnten.

Nachdem die hübsche Spinne dann wieder in der Botanik verschwunden war, hatten wir unser Tagessoll an spannenden Aufnahmen definitiv erfüllt und konnten uns zufrieden und entspannt der blühenden Heide zuwenden.

Hallo, mein Name ist Christian - Projektmanager und Autor, ich plane und betreue unsere Auftrags- und Kundenprojekte und verfasse, in Zusammenarbeit mit Kyra, als Autor die meisten Texte und Beiträge rund um unsere Praxisbücher zur Fotografie und Bildbearbeitung.

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