Über Brennnesselblätter und Eiskristalle

Über Brennnesselblätter und Eiskristalle

Eigentlich wollte ich nur mal eben schnell ein Bild mit Eiskristallen auf einem Brennnesselblatt zeigen, weil ich es so schön finde, wenn sich am frühen Morgen diese filigranen Strukturen gefrorenen Wassers auf dem Waldboden oder der Wiese bilden. Mit den Blättern führen die kleinen Kristalle fast schon einen strukturellen Wettstreit aus: wer ist schöner, das Blatt oder die Eiskörnchen? Fotografisch macht das auf jeden Fall echt was her, auch wenn man dafür zitternd auf dem schattigen, angefrosteten Boden herumrobben muss und die kalten Stativbeine einem fast ständig an den Fingern kleben bleiben. Aber egal, Naturfotografen sind ja einiges gewohnt.

Zufällig habe ich dann aber mal nachgesehen, ob es etwas Interessantes zum Thema Reif gibt, mit dem ich das Bild textlich etwas umrahmen könnte. Und da ging es los. Wenn man sich etwas im Netz umschaut, ist schnell klar: Reif ist nicht gleich Reif. Da gibt es zig verschiedene Formen: gefrorener Tau, Reif, Raureif, Raufrost, Strahlungsreif, Advektionsreif, Tiefenreif, Oberflächenreif, Klareis und so weiter und so fort.

Strahlungsreif auf Brennnesselblatt

Was aber sehe ich denn nun hier auf „unserem“ Blättchen? Nach ein wenig Recherche würde ich sagen, dass es sich um Strahlungsreif handelt. Klingt irgendwie gefährlich, hat aber lediglich etwas mit der Wärmestrahlung der Erde zu tun.

Strahlungsreif tritt immer dann auf, wenn die Luft am Tag zuvor recht feucht war, die Nacht aber klar und eher windstill ist und die Temperaturen auf den Gefrierpunkt zugehen, was im Übrigen dann auch Eiskratzen am Auto bedeutet ;-). Durch die fehlende Wolkendecke, die die Wärmestrahlung der Erde nicht reflektieren kann, landet die Wärme direkt in der Atmosphäre und verpufft quasi. Dadurch kühlt sich der Boden stärker ab als die darüber befindliche Luft und genau dieser Temperaturunterschied begünstigt die Reifbildung.

Hier gibt es eine schöne Beschreibung zur Entstehung von Strahlungsreif, unter anderem am Beispiel eines Grashalms. Demnach verhält es sich so: Wenn die Luft eine Temperatur von ca. 5°C hat und eine relative Luftfeuchtigkeit von 90% herrscht, hat ein Grashalm auf Bodenhöhe eine viel geringere Temperatur. Diese liegt in etwa bei -5°C. Kein Wunder also, wenn sich die auf dem Grashalm befindlichen Wassertröpfchen mir nichts, dir nichts in Eiskristalle verwandeln. Das Ganze lässt sich auch noch mit dem sogenannten Stefan-Boltzmann-Gesetz berechnen, aber ganz so tief wollte ich in die phyikalische Materie dann doch nicht einsteigen…. Lieber gehe ich bei nächster Gelegenheit nochmal los und suche weitere Strahlenreifmotive.

 

Hallo, ich bin Kyra - Fotografin und Autorin. Ich bin in erster Linie für das Fotografieren zuständig, arbeite zusammen mit meinem Mann Christian an unseren fotografischen Projekten und veröffentliche regelmäßig Fachbücher rund um die Fotografie und Bildbearbeitung. Du findest mich auch auf , Google+ , Twitter oder Instagram.

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